Arbeitskreis Demokr. Fachschaftsmitglieder

Die Uni-Wahlen stehen vor der Tür, und wieder einmal entscheidet ihr, wer in diesem Jahr in den Gremien der studentischen und akademischen Selbstverwaltung (StuPa, AStA, Senat, …) eure Interessen vertreten darf. Wir, die Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Fachschaftsmitglieder (ADF), wollen uns im Folgenden daher etwas genauer vorstellen, auch wenn viele von euch uns sicherlich bereits durch den Wadenbeißer kennen gelernt haben, mit dem wir euch mehrmals im Semester über aktuelle Ereignisse und Themen an unserer Uni informieren.

Unsere Geschichte

Im Jahr 1993, also vor über 17 Jahren, wurde die ADF gegründet. Die hochschulpolitische Realität an unserer Uni sah damals noch ganz anders aus als heute: Die Göttinger Hochschulpolitik wurde von Linksaußen-Gruppen dominiert, die im AStA und im Studierendenparlament die studentischen Gelder vornehmlich für ihren Kampf gegen den Kapitalismus und den „Polizeistaat“ sowie gegen die Atomkraft und Castor-Transporte verwendeten. Eine Beschäftigung mit den für die Studierenden wichtigen Themen, wie der Studien- oder BAföG-Reform wurde mit der Begründung abgelehnt, dass diese die Revolution gegen das „überkommene kapitalistische Gesellschaftssystem“ ohnehin nur unnötig hinauszögerten. Aus diesem Grund schlossen sich im Herbst 1993 Vertreter von unabhängigen Fachschaftsgruppen an den Fakultäten – wie der ADW, der DAF und den UM‘ern – zusammen, um sich gemeinsam für eine tudierendeninteressennahe studentische Vertretung auf Universitätsebene einzusetzen: Die ADF war geboren. Seither sind weitere Fachschaftsgruppen und einzelne Studierende aus vielen Fakultäten zu uns gekommen. Letztendlich so viele, dass wir heute mit über 250 Mitgliedern die größte hochschulpolitische Gruppe Göttingens sind.

Unsere Zusammensetzung

Die ADF ist zum einen als Dachverband (siehe Abbildung) für die vielen unabhängigen Fachschaftsgruppen an den Fakultäten zu sehen. Nunmehr sind die ADW (Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Wirtschaftswissenschaftler), die DAF (Demokratische Aktion Fachschaft, Jura), DAS! (Demokratische Aktion Sowi) und UL (Unabhängige Landwirte) bei uns. Auch Mitglieder der UM’er, des AK Hist-Phil, der Physiker und der 11 Freunde (Sowi) engagieren sich in der ADF. Doch nicht alle unserer Mitglieder sind auf Fachschaftsebene organisiert. Im Laufe der Zeit sind viele weitere Studierende aus inzwischen allen Fakultäten zu uns gestoßen, um gemeinsam an der studentischen Interessenvertretung und der Verbesserung der Studienbedingungen an unserer Uni mitzuwirken.

Wie „politisch“ ist die ADF?

Bleibt die Frage, welche politische Ausrichtung die ADF eigentlich hat. Wer als Studierender gelegentlich eine der Publikationen der anderen hochschulpolitischen Gruppen ergattern kann, wird möglicherweise verwirrt sein. Der konservative RCDS „beschimpft“ uns regelmäßig als „links“, etwa weil wir es im Jahr 2004 wagten, uns für den Beitritt der Göttinger Studierendenschaft in den Dachverband der Studierendenschaften (fzs) einzusetzen. Linke Gruppen hingegen kategorisieren uns wiederum regelmäßig als „rechts“, weil wir mit unserer Konzentration auf die studentischen Interessen die Ressourcen der Studierendenschaft dem „wichtigen Kampf gegen die kapitalistische Verwertungsmaschinerie“ vorenthalten und angeblich den „gesamtgesellschaftlichen Kontext“ außer Acht lassen.

Schon daran sieht man, dass wir nicht wirklich in das klassische Links-Rechts-Schema gehören. Unsere „Politik“ ist an den studentischen Interessen orientiert, ganz ohne allgemeinpolitische Ausrichtung. Allerdings sollte man das nicht missverstehen. Wir sind kein Haufen Unpolitischer oder politisch Desinteressierter. Nicht wenige unserer Mitglieder engagieren sich außerhalb der Uni in politischen Parteien; SPD und CDU sind dabei ebenso vertreten wie FDP und Grüne. Aber gerade daran erkennt man, dass die ADF keine einheitliche allgemeinpolitische Meinung vertreten kann (und will). Für die Vertretung studentischer Interessen in den Gremien der Universität und der Studierendenschaft ist das auch gar nicht notwendig. Die studentischen Gremien sind vom Gesetzgeber für die Vertretung der studentischen Interessen geschaffen worden (siehe im § 20 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes). Ins StuPa und in den AStA gehören somit gerade nicht Diskussionen über Gen-Mais, Arbeitsmarkt- und Gesundheitsreformen, die Asylpolitik des Bundes oder die Atomkraft. Warum auch? Das Studierendenparlament hat für diese Bereiche keinerlei Beschlussfassungskompetenzen. Hierfür gibt es in Deutschland andere Organe (Bundestag, Landtag, Kommunalparlamente), für die – von einem Teil der ausländischen Studierenden einmal abgesehen – jeder Studierende bei jeweils eigenen Wahlen ebenso eine Stimme hat, um auf der jeweiligen politischen Ebene seine Präferenzen auszudrücken. Bei den Wahlen zum Studierendenparlament sollte es daher um wirklich studentische Themen gehen. Dabei gehört es natürlich auch zu den Aufgaben einer Studierendenvertretung, bei bundes- oder landespolitischen Themen, die die Studierenden direkt als Studierende betreffen (wie z.B. Studiengebühren, der Bologna-Prozess oder BAföG), im Sinne der Studierenden auf die entsprechenden Organe einzuwirken und Entscheidungen studierendeninteressenorientiert zu beeinflussen.

Die Grenze ziehen wir als ADF bei Themen, die uns nicht mehr als Studierende, sondern sozusagen nur noch als Bundes- oder Landesbürger betreffen – also unabhängig davon, dass wir Studierende sind. Demnach findet ihr bei uns im Folgenden neben oben genannten auch Themen wie die Hochschulzulassung und die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, aber eben nichts über Tempolimits auf Autobahnen, amerikanische Irak-Politik oder die Vorlagen des Bundesinnenministers zur Luftsicherheit oder zu Online-Durchsuchungen (was aber nicht heißt, dass sich bei uns niemand außerhalb seiner Tätigkeit in der ADF mit diesen Themen auseinandersetzt).

(Quelle: http://www.wadenbeisser-online.de/)