Basisdemokratisches Bündnis

Links-emanzipatorische Politik an der Uni findet im Wesentlichen in Basisgruppen statt. An der Uni Göttingen gibt es in sehr vielen Fachbereichen Basisgruppen, die sich jeweils um einen kritischen Umgang mit ihrem Fach, Fachschaftsarbeit oder Themen aus Bildungs- und Gesellschaftskritik befassen. Die einzelnen Basisgruppen sind mal mehr mal weniger stark an ihr jeweiliges Fach gebunden und haben oft eigene spezielle Themen. Jede kann aber in jede Basisgruppen gehen, egal welches Fach oder ob man überhaupt studiert. Worauf es ankommt ist der Wille politisch aktiv zu werden.

Uni-Politik funktioniert – ganz grob – in etwa so, dass einmal im Jahr alle mehr oder minder interessierten Studis ihre Stimmen abgeben und diverse studentische Parlamente und anderweitige VertreterInnen wählen. Danach ist das Thema „Uni-Politik“ erstmal gegessen und bleibt denen überlassen, die mit dem Amt der „studentischen Interessenvertretung“ betraut wurden.

Neben einem schier unüberblickbaren Wust aus Fachschaften, Fachgruppen, Fakultätsräten und anderen, auf die eine oder andere Art und Weise organisierten universitären Gremien gibt es auch noch die Basisgruppen. Was es mit denen auf sich hat, wollen wir im Folgenden erklären.

Während Fachgruppen die offizielle, gewählte Vertretung der Studierenden darstellen, sind Basisgruppen d

avon unabhängige politische Zusammenschlüsse. Sie tauchen in keiner Satzung auf und sind eher so etwas wie Polit-Gruppen. Ihr Anspruch zielt – das macht schon der Name deutlich – darauf, die Studierenden des jeweiligen Fachbereiches zu organisieren. Uni

-Politik wird hier nicht als Aufgabe einer kleinen, dafür gewählten Elite begriffen. „Uni-Politik ist das, was wir draus machen“ könnte das Gründungs-Credo der Basisgruppen lauten. Nachhaltige Veränderungen ergeben sich letztlich nicht dadurch, dass eine andere Besetzung der studentischen Organe gewählt wird. Auch wenn 41 Black-Bloc-AktivistInnen im Studierendenparlament sitzen würden – es würde nicht viel ändern, solange wir Studierenden nicht selber aktiv werden.

Dabei ist der eigene Fachbereich zwar der Ort der Organisierung, aber bei weitem nicht der alleinige Ort der Auseinandersetzung. Ohne Bezüge zur Fakultät lässt sich kaum verstehen, was innerhalb eines Fachbereiches passiert. Und auch da bleibt fast alles im Dunkeln, wenn nicht die Uni als Ganze in den Blick gerät. Aber auch da ist noch nicht Schluss. Denn die Veränderungen an den Universitäten, die bis in die einzelnen Studiengänge, Vorlesungen und Seminare durchschlagen, sind Produkt bildungs- und wissenschaftspolitischer Veränderungen, wie sie in den letzten Jahren vorgenommen wurden. Veränderungen, die wiederum eingereiht gehören in Versuche politischer Modernisierung, wie sie von Landes- und Bundesregierungen auch in anderen politischen Bereichen vorgenommen wurden, oftmals im Rahmen globaler Absprachen, die einer Logik folgen, die sich alleine aus der Uni heraus nicht erklären lässt und die deshalb gesamtgesellschaftlich begriffen werden müssen.

Darum spielen für Basisgruppen oft auch politische Phänomene eine Rolle, die auf den ersten Blick nichts mit der Uni im engeren Sinne zu tun zu haben scheinen. Letztlich zeigt sich dann aber, dass sich das nicht so einfach trennen lässt. Neoliberale Marktlogik spiegelt sich auch in den jüngsten Unireformen wieder, Rassismus und Antisemitismus zeigt sich auch im Studierendenparlament, von den diversen Burschenschaften mal ganz zu schweigen.

Basisgruppen sind hier der Versuch, das Allgemeine mit dem Besonderen zu verbinden. Die täglichen Erfahrungen im universitären Alltag sollen auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen bezogen, politische Tendenzen im studentischen Alltag aufgespürt werden. Und das in einem gemeinsamen Prozess, in dem jüngere und ältere Studierende sich gemeinsam und gleichberechtigt in Themen einarbeiten, sich Meinungen bilden und versuchen, diese dann den Menschen nicht nur, aber vor allem, an ihrem Fachbereich plausibel zu machen.

(Quelle: http://www.bb-goettingen.de)